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Stand 12.04.2026
Parameter G6PD-Defizienz
Synonyme, ggfs. Handelsname Gen: G6PD; Transkript: NM_001360016.2, NP_001346945.1
Probenmaterial und Menge EDTA-Blut, 1 ml
Hinweise zur Interpretation
Das ubiquitär vorkommende Enzym Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase (G6PD) katalysiert die Oxidation von Glukose-6-Phosphat unter gleichzeitiger Reduktion von NADP zu NADPH. Insbesondere Erythrozyten sind auf diesen oxidativen Teil des Pentosephosphatwegs angewiesen um ausreichend NADP für Reduktionsreaktionen zu produzieren. Die NADP-abhängige Oxidation von Peroxiden durch Glutathion ist hier ein zentraler Stoffwechsel zum Schutz der Zellmembran vor oxidativen Schädigungen. Gleichzeitig schützt der NADP-abhängige Glutathion-Stoffwechsel die SH-Gruppen anderer Proteine, z. B. des Hämoglobins, vor Oxidation (Gammal et al., 2023).
Die hereditäre G6PD-Defizienz führt zu einer verminderten Bildung von NADPH. Diese kann Ursache einer schweren neonatalen Hyperbilirubinämie mit Kernikterus sein (Lin et al., 2022). Bei adulten Trägern der G6PD-Defizienz reicht die antioxidative Kapazität der Erythrozyten unter physiologischen Bedingungen meist aus; nur in Einzelfällen entwickelt sich eine chronische non-sphärozytische Anämie. Unter verstärktem oxidativen Stress resultiert die G6PD-Defizienz jedoch in einer oxidativen Schädigung der Zellmembran und einer verstärkten Oxidierung des Hämoglobins, in deren Folge eine akute hämolytische Anämie, sowie die Bildung von Methämoglobin und Sulfmethämoglobin auftreten können. Trigger sind meist exogene Faktoren wie der Genuss der Fava-Bohne (daher die Bezeichnung "Favismus") und Arzneistoffe, die oxidativen Stress induzieren (s.u.), sowie akute Infektionen (Gammal et al., 2023).
Die X-chromosomal vererbte G6PD-Defizienz ist die weltweit häufigste hereditäre Stoffwechseldefizienz mit geographisch ausgeprägt unterschiedlicher Verteilung und Häufung in Malariarisikogebieten. Die mehr als 230 beschriebenen klinisch relevanten Varianten sind meist mit einer verminderten Enzymaktivität oder –stabilität assoziiert (Luzzatto et al., 2020). In hemizygoten Trägern und homozygoten Trägerinnen hat die G6PD-Defizienz eine hohe Penetranz, in heterozygoten Trägerinnen ist die Ausprägung jedoch extrem variabel.
Die mit G6PD-Defizienz assoziierten Phänotypen werden anhand der WHO-Klassifikation in vier Gruppen unterteilt (Klasse I assoziiert mit chronischer non-sphärozytischer Anämie; Klasse II assoziiert mit schwerer Enzymdefizienz (<10 Restaktivität), Klasse III assoziiert mit moderater Enzymdefizienz (10-60% Restaktivität), Klasse IV assoziiert mit normaler Enzymaktivität (60-150%), Klasse V assoziiert mit erhöhter Enzymaktivität; WHO working group G6PD, 1989).
Da die hereditäre G6PD-Defizienz von zentraler Bedeutung für arzneimittelinduzierte Hämolysen ist, ist die Testung vor Einnahme von Arzneistoffen, die oxidativen Stress induzieren, indiziert (Gammal, et al., 2023). Mit hohem Risiko für hämolytische Anämie bei G6PD-defizienten Personen verbundene Arzneistoffe sind u.a. Dapson, Pegloticase, Primaquin, Rasburicase, Tafenoquin (Gammal, et al., 2023).
Verfahrensnummer Institutsstandort Großhadern
Routine: 4599
Institutsstandort Innenstadt
Routine: 4599
Durchführungsort/e Institutsstandort Großhadern -
Durchführungszeitraum täglich, Montag - Freitag (außer Feiertag) -
Einheit s. Sonderbefund
Referenzbereich/e
Wildtypsequenz, G6PD (NM_000402.4; Homo sapiens glucose-6-phosphate dehydrogenase, transcript variant 1)
Akkreditierungsstatus nicht-akkreditiertes Verfahren