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Stand 12.04.2026
Parameter Hämochromatose Typ 2B
Synonyme, ggfs. Handelsname Phänotyp MIM-Nummer: 613313; Gen MIM-Nummer: 606464 (HAMP)
Probenmaterial und Menge EDTA-Blut, 1 ml
Hinweise zur Interpretation
Hepcidin ist ein in der Struktur ß-Defensinen ähnliches, 25 Aminosäuren langes, kationisches Peptid mit vier Disulfidbrückenbindungen, das von Hepatozyten zunächst in Form eines 84-Aminosäuren-Prepropeptids synthetisiert wird. Neben seiner antimikrobiellen Wirkung auf Gram-positive und Gram-negative Bakterien sowie auf Hefen fungiert Hepcidin als negativer Regulator der Eisenaufnahme in Duodenum und Jejunum, des Eisentransports über die Plazentaschranke und der Eisenfreisetzung aus Enterozyten, Hepatozyten und Makrophagen.
Die Bildung von Hepcidin wird durch eine Entzündungsreaktion stark stimuliert. Patienten mit einer schweren Infektion, einer chronisch-entzündlichen (Endokarditis, Osteomyelitis, rheumatoide Arthritis, M. Crohn) oder Tumorerkrankung weisen bis zu 100fach höhere Hepcidin-Spiegel im Urin auf. Gleiches gilt für Patienten mit einer sekundären Eisenüberladung infolge der Polytransfusion von Erythrozytenkonzentraten. Die Hepcidin-Ausscheidung korreliert dabei gut mit den Serum-Ferritin-Spiegeln, die als Folge der Entzündung bzw. der Eisenüberladung ebenfalls ansteigen.
Als Konsequenz dieser hohen Hepcidin-Spiegel wird Eisen in Makrophagen und Hepatozyten sequestriert, um die Serum-Eisen-Konzentration zu senken und damit das Wachstum der pathogenen Keime zu hemmen. Hepcidin bindet dabei an seinen Rezeptor Ferroportin, steigert dessen Internalisierung und Abbau und hemmt dadurch die Eisenfreisetzung aus Enterozyten, Hepatozyten und Makrophagen. Es kommt zu einer Eisenverteilungsstörung, die die Erythropoese beeinträchtigt, und es entwickelt sich eine Entzündungs- bzw. Tumoranämie.
Eine autosomal rezessiv vererbte Hepcidin-Defizienz führt dagegen zu einer stark gesteigerten Eisenresorption unter dem Bild einer juvenilen Hämochromatose, die durch Kardiomyopathie, Diabetes und hypogonadotropen Hypogonadismus charakterisiert ist, allerdings wesentlich häufiger durch pathogene Varianten im Hemojuvelin (HJV- oder HFE2)-Gen verursacht zu sein scheint (Fitzsimons et al., 2017; Untersuchung separat unter der Verfahrensnummer 4537 anforderbar).
Eine partielle Hepcidin-Defizienz infolge einer pathogenen Variante auf nur einem der beiden Allele kann dagegen in Kombination mit dem homo- oder heterozygoten Trägerstatus für die pathogene HFE-p.Cys282Tyr-Variante zu einer klassischen Hämochromatose (Typ 1) führen (Merryweather-Clarke et al.2003. Hum. Mol. Genet. 12: 2241-2247). Der teilweise Ausfall eines weiteren an der Regulation des Eisentransports beteiligten Proteins erklärt die höhere phänotypische Penetranz und das frühere Erkrankungsalter dieser doppelt betroffenen Patienten.
Verfahrensnummer Institutsstandort Großhadern
Routine: 4538
Institutsstandort Innenstadt
Routine: 4538
Durchführungsort/e Institutsstandort Großhadern -
Durchführungszeitraum täglich, Montag - Freitag (außer Feiertag) -
Einheit s. Sonderbefund
Referenzbereich/e
Wildtypsequenz, HAMP (NM_021175.3; Homo sapiens hepcidin antimicrobial peptide
Akkreditierungsstatus nicht-akkreditiertes Verfahren